Donnerstag, 11. Oktober 2012

Liebesschmarrn und Erdbeerblues


Eine Liebeserklärung auf Bayrisch? Auf den ersten Blick nichts, was einen im Süden Deutschlands lebenden Menschen allzu sehr verwundern oder erschrecken sollte. Nicht so aber Lene, die Protagonistin des Buches „Liebesschmarrn und Erdbeerblues“ von Angelika Schwarzhuber. Die auf bayrisch vorgebrachte Zuneigungsbekundung ihres Traummannes lässt sie sofort die Flucht ergreifen. Das Buch dreht sich im Folgenden um die Suche nach „der“ bayrischen Liebeserklärung und – natürlich – in gewisser Weise auch um die Suche nach der großen Liebe. Sie trifft im Verlauf der Buches auf eine ganze Reihe von Männern (und auch eine Frau), die sie alle mehr oder weniger in ihr Herz schließt, streitet und versöhnt sich wieder und natürlich gibt es schließlich ein Happy End.
Lene ist im Grunde sehr ähnlich zu den Protagonistinnen vergleichbarer Frauenromane angelegt: ein bisschen schusselig, chaotisch, im Grund aber doch ganz sympathisch, aber trotzdem wirkt sie bisweilen sehr naiv und auch ein bisschen einfach gestrickt. Als Leser ist man an einigen Stellen darüber hinaus manchmal wirklich milde irritiert angesichts ihres Verhaltens. Schon der Ausgangspunkt der Geschichte lässt einen nochmals zurückblättern: Hat sie wirklich wortlos die Flucht ergriffen, als ihr Freund ihr eine Liebeserklärung auf Bayrisch macht? Keine Reaktion, die man wohl von einer erwachsenen Frau erwarten würde, selbst wenn der Mann, der diese Worte äußert, ihr Todfeind wäre. Dass das Ganze dann auch noch ein zweites Mal passiert, erscheint um so verwirrender. Manchmal möchte man am liebsten zu Lene sagen: „Jetzt reiß dich doch mal zusammen und tu nicht so rum.“ Auch andere Figuren reagieren in unterschiedlichen Situationen sehr extrem und man hat das Gefühl, es fehlt einfach noch ein Zwischenschritt, etwas, was die Entscheidungen nicht ganz so einfach erscheinen lässt. So steht beispielsweise schon die nächste Frau beim bayrischen Traummann bereit, die quasi schon an dem Tag bei ihm einzieht, an dem die Trennung nur halb offiziell ist. Der Vater von Lene wirft die Tochter kurzerhand aus dem Haus – ohne dass sie eine neue Bleibe hätte, auch wenn der Streit, der voranging, nur aus wenigen Sätzen besteht und nicht wirklich nach einer grundlegenden Zerrüttung aussieht, die einen Vater, der eigentlich ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter hat, zu einem solchen Schritt bringt. Auch dass Lenes Äußerung, es gäbe keine wirkliche Liebeserklärung auf Bayrisch, die Öffentlichkeit aufhorchen, Zeitung und Fernsehen darüber berichten und einen richtigen Medienrummel entstehen lässt, klingt nicht wirklich realistisch. Wenn man darüber hinwegsieht, liest sich die Geschichte um Lene leicht und locker. Es ist ein typischer Frauenroman mit typischen Figuren, einer absehbaren Handlung und einem vom Beginn an klaren Ende. Wirkliche Überraschungen bleiben aus – aber das ist es wohl auch nicht, was man von einer solchen Liebesgeschichte erwartet.
Was im ersten Moment dazu veranlasst, das Buch in die Hand zu nehmen, ist das nett gestaltete Cover (anders als oben im Bild): Weiß-blauer Hintergrund, ein bisschen verschnörkelte Schrift und der Eindruck einer heilen Welt, die sich im Grunde (zumindest am Ende) zwischen den Buchdeckeln verbirgt. Auch der Titel ist witzig gewählt und es wird im Buch tatsächlich klar, was denn mit dem „Erdbeerblues“ gemeint ist. Nett ist die Idee, im Einband eine kleine Wortkunde Bayrisch – Hochdeutsch unterzubringen. Die bayrischen Sätze im Buch halten sich aber insgesamt in Grenzen, sodass auch ein Nichtbayer alles problemlos verstehen kann. Was nicht ausbleibt, wenn es um Bayern, Bier und Dirndl geht, ist die Erwähnung von typisch bayrischem Essen. Wer sich von den Rezepten im Buch angesprochen fühlt, kann diese dann auch tatsächlich nachkochen, da sie im Angang des Romans zu finden sind. Das sind wieder durchaus Pluspunkte für das Buch.
Und insgesamt muss man sagen, wer ein Buch mit Tiefgang sucht, ist hier fehl am Platz. Wer aber eine nette Lektüre für nebenbei, für den Sommerurlaub, einen faulen Nachmittag am Balkon oder im Freibad braucht, ist ganz gut bedient. Manch eine bayrische Liebeserklärung, die auf der Suche nach der passenden Liebeserklärung gefunden wird, ist durchaus witzig und für das Happy End ist auch gesorgt – ein bisschen Seifenoper auf bayrisch eben.

Wer mehr über das Buch oder die Autorin erfahren möchte, findet u.a. ein Interview mit Angelika Schwarzhuber oder auch eine Hörprobe aus dem Hörbuch direkt beim Verlag. Zu mir kam das Buch über die tolle Website bloggdeinbuch.de, wo sich viele Rezensionen zu den unterschiedlichsten Büchern finden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen